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Die (Zucker-)Dosis macht das Gift

Die ZWT-Experten klären auf: Thomas Pieber und Martin Ellmerer über das Diabetes-Risiko, Unterzuckerung und innovative Blutzuckermessung.

Welche Faktoren beeinflussen, neben der Ernährung bzw. daraus resultierenden Übergewicht, das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2?
Thomas Pieber (JOANNEUM REASEARCH HEALTH): Übergewicht und als Folge Diabetes entstehen vor allem, wenn wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen. Man kann daher sagen, dass wir zu viel essen, für das, was wir verbrauchen; oder, dass wir uns zu wenig bewegen, für das, was wir essen. Daneben spielen auch genetische Faktoren, gewisse Medikamente und anderes eine Rolle. Das Grundproblem bleibt jedoch ein Bilanzproblem.

Egal ob als Diabetes-Patient oder nicht: Was sind generell die häufigsten Risiken bei der Insulintherapie?
Thomas Pieber: Unterzuckerungen sind die gefährlichste Nebenwirkung der gängigen Diabetestherapien. Personalisierte, maßgeschneiderte Diabetesbehandlung minimiert die Risiken und erhöht die Erfolgschancen. Computerunterstützung ist hier eine der erfolgreichen Ansätze, aktuell forschen wir stark an technologiegestütztem Diabetes-Management für zu Hause. Unser Spin-off Decide bietet Lösungen für das Krankenhaus an.

Eine strenge „Dosis-Kontrolle“ gibt es auch auf Intensivstationen. Egal ob man an Diabetes erkrankt ist oder nicht, der Blutzuckerwert wird dort laufend kontrolliert. Warum?
Martin Ellmerer (B. Braun Melsungen): Weil bei kritisch kranken Patienten der Blutzucker aufgrund von Stressreaktionen ähnlich entgleisen kann, wie bei Diabetes-Patienten. Genaugenommen muss ein intensivmedizinischer Patient ähnlich behandelt werden, wie Diabetes-Patienten. Zwischen 8 und bis zu 24 Mal täglich wird der Blutzucker je nach Grunderkrankung des Patienten gemessen, häufig kommen dabei manuelle Streifenmessgeräte zur Anwendung. Dieser Prozess ist sehr arbeitsintensiv und fehleranfällig. Eine schlechte Blutzuckereinstellung kann für die Patienten zu schwerwiegenden Konsequenzen führen, bei starken Unterzuckerungen bis hin zum Tod.

Sie haben einen Sensor entwickelt, mit dem das Management des Blutzuckers einfach und sicher realisiert werden kann. Wie ist das möglich?
Martin Ellmerer: Unser System arbeitet In Vivo, d. h. es arbeitet direkt am Patienten, und erlaubt aufgrund einer Vermeidung von Blutentnahme und dadurch Blutverlust eine häufigere Blutzuckermessung. Darüber hinaus steht der Sensor in direkter Kommunikation mit einem Rechenalgorithmus, der den Blutzuckerspiegel überwacht und die Insulindosierung vorschlägt. Dadurch wird der Blutzucker in einem engen Korridor gehalten und das Risiko für den Patienten reduziert sich deutlich.

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